Nun saß ich endlich in meinem Wohnmobil, ganz schön groß das Teil mit seiner Gesamtlänge von 6,50 m und einer Breite von 2,37 m. Die kurze Einführung in die Technik lag bereits mehr als eine Woche zurück, d.h., die Hälfte hatte ich schon wieder vergessen. Und nicht einen Meter hatte ich die Kiste bisher bewegt, ebensowenig wie den Motorroller, meine zweite Neuerrungenschaft, die ich hinten draufgepackt hatte. Aber wie heißt es, man wächst mit den Anforderungen? Also nix wie los. Grobes Ziel stand nun auch fest, Richtung Kroatien, dalmatinische Küste. Alles in allem ca. 3500 km. Wenn schon, denn schon, dachte ich mir, man gönnt sich ja sonst nix.

Wider Erwarten hatte ich mit der Fahrerei keinerlei Schwierigkeiten. Aber an jedem Rastplatz, den ich anfuhr, standen haufenweise Reisebusse, meist mit Rentnergruppen. Und da ging das schon los: Erst dieses Rumschleichen um mein Womo, begleitet von forschenden Blicken. Und irgendwann kam sie dann. Mal ging es schnell, mal dauerte es länger. Noch war mir nicht klar, dass sie mir während der gesamten Reise gleich mehrfach täglich begegnen sollte, nämlich die Frage: "Reisen Sie etwa gaaanz alleine?"

Die Reaktionen auf meine Bestätigung dieser Frage waren z.T. die Härte. „Sie können diesen Wagen alleine fahren?“ Pah! Als ob es Autos für zwei Fahrer gleichzeitig gäbe. Was für eine blöde Frage! Und wäre ich sonst damit unterwegs? Mal wurde gemutmaßt, ob ich eine reiche Zahnärztin sei, die es sich leisten könne, ein anderes Mal wurde ich gar für eine Lehrerin gehalten. Noch bin ich mir nicht ganz sicher, was ich eigentlich schlimmer finde. Gelernt habe ich jedenfalls, dass bei vielen Leuten die Neugierde den Sieg über sämtliche Hemmungen davonzutragen scheint.
Ein altes Ehepaar, ebenfalls mit einem Wohnmobil unterwegs, konnte es denn gar nicht fassen. „Sie sind aber ganz schön mutig“, meinte der Herr. „Am besten, Sie suchen sich einen Gefährten“, riet mir seine Angetraute und setzte noch einen drauf: “Es sind doch so viele alleinreisende Witwer unterwegs, da ist doch bestimmt für Sie auch einer dabei,“ meinte sie mit einem Lächeln, das mir wohl Mut machen sollte. Ihr Gatte, zwischenzeitlich leicht rot angelaufen, stieß ihr nur verstohlen in die Seite und wies sie zurecht: „Aber Gertrud! Sooo alt ist diese Dame nun bestimmt noch nicht.“ Mein schallendes Gelächter jedenfalls bewirkte, dass beide mir knapp eine gute Weiterfahrt wünschten und hastig verschwanden.

Nach ca. 300 km trat das erste technische Problem auf. Am Armaturenbrett leuchtete die Kontrolllampe auf, welche anzeigt, dass die Batterie nicht aufgeladen wird. Gut, nach Tanzania weiß ich, dass ich erst mal nach dem Keilriemen gucken muss, aber der saß fest. Das Problem muß also mit der Lichtmaschine zusammenhängen, na klasse, das fing ja gut an. Auf dem nächsten Parkplatz, den ich dann anfuhr, standen zufälligerweise zwei Männer vom AvD und machten gerade Mittagspause. Blitzschnell den ADAC-Aufkleber entfernt und die dann um Hilfe angehen. Puh, war Gott sei Dank nur ein loses Kabel! Und bezahlt werden wollten sie denn auch nicht, nicht einmal ein Trinkgeld nahmen sie an. Es war ihnen nämlich ein Vergnügen, einer solch mutigen alleinreisenden Dame wie mir zu helfen.

Weiter ging es nach Bayern, wo ich in der Nähe von München meine erste Nacht im Womo verbringen wollte, meine erste richtige Prüfung. Nun sollte sich also zeigen, ob ich die Technik begriffen hatte. Also, Stromkabel anschließen, Frischwassertank füllen, Gasflaschen öffnen, Kühlschrank von Batteriebetrieb auf Strom umstellen, das waren meine leichtesten �bungen. Den Gaskocher einweihen mit `nem Linseneintopf und `nem Kaffee, auch das kein Problem. Aber dann! Gerade, als ich zum gemütlichen Teil des Abends übergehen wollte. Wofür hatte ich mir schließlich die SAT-Anlage installieren lassen? Halb-digital, da ich ja schlecht gleichzeitig draußen Schüsselchen drehen und drinnen auf den Bildschirm starren kann. Erst mal den Neigungswinkel auf der Tabelle nachgucken, dann nachschauen, in welche Richtung die Nachbarn ihre Antenne gestellt haben und dann ein bischen drehen. Am letzten Tag meiner Reise sollte ich übrigens im Womo einen Kompaß finden, der die Richtung für mehrere verschiedene Satelliten anzeigt.
Bei der Einweisung war das alles ganz einfach. Da kam direkt so ein roter Balken, der die Empfangsstärke in Prozent anzeigt, außerdem ein akkustisches Signal. Die Antenne kurz drehen bis zur optimalen Stellung, ein Druck auf OK, und schon stand dem Fernsehvergnügen mit über 30 Programmen nichts mehr im Wege. Pustekuchen! Nach geschlagenen 3 Stunden (in Worten DREI!!!), in denen ich die Bedienungshandbücher sowohl für den Receiver als auch für den Fernseher auswendig lernte, sagte mir der Bildschirm immer noch unerbittlich „kein Signal". Sämtliche Mitbewohner des Campingplatzes lagen bereits im Tiefschlaf, als ich ziemlich entnervt das Handtuch schmiss und beschloß, auch in die Falle zu gehen.

Also, mit dem Empfang, das sollte noch eine ganze Weile dauern. Na gut, da in Bayern, da hatte ich noch nicht gerafft, dass dicke Bäume, unter und zwischen denen ich mich bevorzugt hinstellte, diesen sowieso unmöglich machen. Aber auch später in Istrien oder auf Krk, wo ich freistand, kriegte ich kein Programm. Da schaffte ich es zwar tatsächlich, den roten Balken incl. akkustischem Signal zu finden und erreichte schließlich stolze 75%. Boaaaah, soviel wie sonst keiner! Das hätte mir eigentlich schon zu denken geben sollen. Denn alles, was auf dem Bildschirm erschien, war eine öde graue Fläche, Fernsehgucken - Fehlanzeige!
Auf mehreren verschiedenen Campingplätzen, auf denen mich haufenweise "Fachmänner" berieten, wurde meine SAT-Anlage zum Gesprächsthema No. 1. Gefunden hat das Problem von diesen Spezialisten niemand. Ziemlich am Ende des Urlaubes schaltete sich Kommissar Zufall ein, als ich mal wieder total gefrustet das Ding einpacken wollte und dabei die Antenne in die Ausgangsposition drehte. Da grinste mich auf einmal der ARD-Nachrichtensprecher an.
Das hätte mir ja mal einer erzählen können, dass ich mit meinen 75% auf irgendeinem arabischen Satelliten hing, der direkt neben Astra liegt. Seitdem gebe ich mich mit ca. 55% zufrieden und kann gucken. Jipphiiieee!!

Das nächste zunächst schier unlösliche Problem bestand in der Leerung des Brauchwassertanks. Laut Anleitung ist ein Hebel auf Position "AUF" zu drehen, worauf das Wasser ausläuft, und danach ist der Hebel auf Stellung "ZU" zu drehen. Eigentlich ganz einfach, oder? Ich fahre also das WoMo zur Entsorgungsstation, bringe den Hebel in Position "AUF" und was passiert? - Nix! Da kommt kein Wasser. So 3 - 5 Tröpfchen dümpeln unter dem Wagen raus. Das war`s. Ein älterer Herr eilt mir umgehend zu Hilfe mit den Worten: "Lassen Sie da mal einen Fachmann dran." Er schaut sich denn Füllstandsanzeiger an und erkennt das Problem sofort. "Ihr Abwassertank ist nur zu ca. 30 %gefüllt und Sie stehen hier schief. Da kann ja nichts rauskommen!" Er rennt also zu seinem Stellplatz und kommt kurz darauf mit einem Wagenheber zurück. Dann bockt er mein WoMo auf der Gegenseite hoch. Und was passiert? - Immer noch nix!
Aber was ein wirklicher Spezialist ist, der weiß natürlich Rat. "Dann muß Ihre Leitung verstopft sein!" Er kurbelt also den Wagen wieder runter und rennt los, um seinen Wasserschlauch zu holen. Dabei murmelt er etwas von "Hochdruck" und "Freispritzen". Rein zufällig fällt mein Blick plötzlich auf einen schwarzen Deckel, der ein dickes Rohr verschließt. Mir schwant: "Sollte das etwa ....?" Ich entferne den Deckel und zu meiner Freude strömt ein dicker Schwall Brauchwasser in den Ausguss.

Seine Frau, die das Geschehen die ganze Zeit interessiert beobachtet hatte, rief ihrem Gatten mit einem breitem Grinsen zu: "Heee, Du Fachmann, das Problem hat sich erledigt.

Nach nunmehr über 3500 km, die mich bis südlich von Split führten, habe ich meine neue Lebensweise nun angetestet und für so klasse befunden, dass mich nichts aufhalten kann. Um Campingplätze werde ich allerdings erst einmal einen großen Bogen machen, wo immer freies Übernachten erlaubt ist. Übrigens: Sämtliche Leute, die behauptet haben, Roller fahren sei kein Problem, wenn man früher mal Mofa fuhr, die kennen entweder mich nicht oder sie spinnen. Na gut, ...ganz unrecht haben sie vielleicht doch nicht, denn das Fahren ist ja eigentlich nicht das wirkliche Problem, ... eher das Anfahren und besonders das Anhalten. Ich kam mir vor, wie beim Bull-Riding, Level 5! Soviel nur am Rande.


   

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